Kathedralen aus Atomen

Die Ästhetik des bizarren Universums aus Molekülen und Festkörper-Kristallen inspiriert Chemiker dazu bis an die Grenzen des Machbaren vorzustoßen. Erschienen in: bild der wissenschaft 3/2003 „EATON IST FÜR CHICAGO das, was Michelangelo für Florenz war“, zitierte die Tageszeitung Chicago Tribüne 2001 einen Bewunderer. Besagter Philip E. Eaton hat keine Skulptur und kein gemaltes Kunstwerk erschaffen – sondern … Weiterlesen

Über Zitate zu Zensuren und Zaster

Erschienen in: bild der wissenschaft 12/2004 Immer stärker hängt die Karriere eines Wissenschaftlers von der Beachtung seiner Publikationen ab. Ob damit der Forscherleistung wirklich Genüge getan wird, ist fraglich. Spanische Professoren erhalten Gehaltszuschläge, wenn sie Artikel in angesehenen Zeitschriften platzieren. Eine Reihe deutscher Fakultäten – beispielsweise die medizinischen der Universitäten Düsseldorf und Bochum – verteilt Forschungsgelder an … Weiterlesen

Astronauten-Post

Neun deutsche Astronauten erinnern sich an Details ihrer Mission. Die folgende Collage solch individueller Berichte aus verschiedenen Flugphasen, Flügen und Raumfahrzeugen erzählt von einem Raumflug, der so natürlich nie stattgefunden hat — und trotzdem ist nichts an ihm erfunden.

Erschienen in: bild der wissenschaft plus 6/2001

Die Astronauten, die erzählen

Dr. Gerhard Thiele vom Europäischen Astronauten Korps der ESA war letztes Jahr mit einem Space Shuttle im All. Sein Abenteuer begann bereits vor dem Flug.

Dr. Ulrich Walter, IBM Entwicklung, Böblingen, flog als Mitglied der Spacelab-D2-Crew am 26. April 1993 in den Weltraum. Etwa einen Monat zuvor war der Countdown bei „Drei“ angelangt, als der Start seines Space Shuttles abgebrochen werden mußte.

Klaus-Dietrich Flade war 1992 der erste westdeutsche Astronaut auf der Station Mir. Der Testpilot bei Airbus war von der Beschleunigung des Raumschiffes Sojus TM-14 enttäuscht.

Prof. Ernst Messerschmid, Leiter des European Astronaut Centre der ESA in Köln, nahm 1985 an der Spacelab-D1-Mission teil und genoß besonders die Schwerelosigkeit.

Dr. Reinhold Ewald, Mitglied im Europäischen Astronauten Korps, flog 1997 zur Station Mir und lebte dort 18 Tage. Auch ein Feuer an Bord brachte ihn und die anderen Crewmitglieder nicht wirklich aus der Ruhe.

Hans Schlegel, Mitglied im Europäischen Astronauten Korps, nahm zusammen mit Walter an der D2-Mission teil. Er hätte wohl auf Essen und Trinken verzichtet, um die Zeit an Bord besser nutzen zu können.

Thomas Reiter verbrachte 179 Tage im All. Während seiner Euromir 95 Mission (Start: 3. September 1995) unternahm er zwei „Weltraumspaziergänge“.

Dr. Sigmund Jähn, in Moskau tätiger Verbindungsmann des DLR und der ESA zur russischen Raumfahrtorganisation, war der erste Deutsche im Weltraum. Nach seinem einwöchigen Flug landete der DDR-Bürger 1978 auf spektakuläre Weise mit der Sojus 29 in der kasachischen Steppe.

Streich vor dem Start (Astronaut Thiele)

Der Tag hatte gut angefangen. Wir waren dem Zeitplan immer eine Nasenlänge voraus. Aufstehen, Frühstück – Rührei mit Speck und Orangensaft –, das Anlegen und Austesten der orangefarbenen Raumanzüge, es lief wie am Schnürchen. Dann die erste Panne: Der Bus, der uns zum Startgelände fuhr, hielt am Start-Kontrollzentrum an: „Bitte die Shuttle Boarding Pässe abgeben.“ Alle, bis auf mich, zauberten im Handumdrehen einen gelben Ausweis, nicht viel größer als eine Kreditkarte, aus einer der Taschen des Raumanzugs hervor. Von einem solchen Ausweis hatte ich noch nie gehört und saß da wie vom Donner gerührt. Erst nach etlichen Schrecksekunden merkte ich, daß ich einem Streich aufgesessen war. Das kann ja noch heiter werden, dachte ich.

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Gefahr für die Männlichkeit

Erschienen in bild der wissenschaft 1/1999. Hier als  PDF zum Herunterladen: 1999_bdw_Maennlichkeit

Macht Radfahren impotent? Ein amerikanischer Spezialist behauptet, durchschnittlich sechs Patienten pro Woche zu haben, deren Erektionsstörungen die Folge vom Druck eines Fahrradsattels sind.

Irwin Goldstein spricht vom Radfahren in dem gleichen Tonfall, den andere Mediziner für das Rauchen reserviert haben – so berichteten die Journalisten des amerikanischen Radfahrer Magazins „Bicycling“, nachdem sie vor gut einem Jahr mit ihm zusammentrafen. Der Inhalt seiner Worte entsprach dem Ton: Kein Mann sollte radfahren, eröffnete der Professor vom Boston Medical Center den entsetzten Reportern. Denn es könne dazu führen, daß er keine ausreichende Erektion mehr bekäme. Das Echo in den US-Medien war laut. Doch Goldstein zog deswegen nicht den Kopf ein. Er blieb bei seiner Botschaft. Und jetzt legt er sogar noch einen weiteren Scheit ins Feuer: „Je mehr wir den Zusammenhang zwischen erektiler Fehlfunktion und Radfahren erforschen, umso mehr erkennen wir, wie weit verbreitet Impotenz durch Radfahren wirklich ist.“ Schuld soll der Sattel sein. Er drückt, so Goldstein, auf den Damm des Fahrers – die Körperregion zwischen After und Hoden. Dort aber verlaufen sowohl die Adern, durch die der Schwellkörper des Penis mit Blut versorgt wird, als auch die Nerven, die die Erektion auslösen. Während beim normalen Sitzen auf einem Stuhl das Körpergewicht auf den Sitzknochen liegt, sei es beim Fahrradfahrer auf die Region dazwischen verlagert, also auf die Mitte des Beckens.

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Die Luft zum Atmen

Mit Luft lässt sich Geld verdienen — mit angehaltenem Atem auch. Doch weil sich nicht alles auf der Welt nur um den schnöden Mammon dreht, zeigen wir Ihnen, dass Leben Luft braucht. Und dass ohne Leben die Erde von einer anderen Luft umhüllt würde.

Erschienen im: 3M magazin Dezember 1998.

Clara kann gar nicht genug bekommen: Jede Minute holt sie 40mal Luft. Von Clara können Michaela und Frank nicht genug bekommen: Schließlich ist ihre Tochter erst ein paar Stunden auf der Welt. Mutter Michaela atmet viel seltener als Clara – 15mal in der Minute. Trotzdem sind beide gesund: Die Atemfrequenz eines Menschen hängt eben von seinem Alter ab. 

20 000 Liter Luft täglich braucht der Mensch im Durchschnitt. Wer es schafft, vergleichsweise lange ohne Luft auszukommen, kann damit durchaus seinen Lebensunterhalt bestreiten: Malaysier etwa holen in über zwei Minuten Atemlosigkeit Perlen aus über 20 Metern Meerestiefe und die Menschen des Mittelmeerraumes tauchen nach Schwämmen, während sie die Luft anhalten.

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Flugunfälle durch menschliches Versagen

„Menschliches Versagen“ — so lautet der offizielle Befund bei 80 Prozent aller Flugunfälle. Wären Automaten demnach die besseren Piloten? Experten bestreiten, dass Entmündigung der Piloten mehr Sicherheit bringt.

Erschienen in: bild der wissenschaft 5/1997

1996 war ein trauriges Jahr für die zivile Luftfahrt. 1840 Menschen an Bord von Flugzeugen kamen durch Unfälle ums Leben – mehr als jemals zuvor. Dies muss nicht zwangsläufig Ausdruck eines generellen Trends sein. Die höhere Zahl an Unfällen sollte auch vor dem Hintergrund des enorm gestiegenen Luftverkehrsaufkommens gesehen werden. Schließlich wurden im letzten Jahr 75 Prozent mehr Passagiere transportiert als noch vor zehn Jahren.

Doch am Horizont sind Wolken aufgezogen. Eine Studie von Boeing besagt klipp und klar: Wenn es nicht bis zum Jahr 2000 durch verstärkte Anstrengungen gelingt, der Störfall- und Unfalltendenz gegenzusteuern, dürfte es künftig – angesichts des weiter wachsenden Luft­verkehrs – jede Woche irgendwo auf der Welt ein kapitales Flugzeugunglück mit Toten und Verletzten geben.

Die Industrie hat in der Vergangenheit versucht, durch die Konstruktion von immer höher automatisierten Flugzeugen die Sicherheit im Luftverkehr zu erhöhen. Die Ingenieure ersetzten mechanische durch elektronische Steuerungen, überließen dem Computer die Regelung aller Systeme und bauten immer raffiniertere elektronische Warnverfahren ein. Hinter dieser Automatisierung steckte eine Philosophie, die – auf einen kurzen Nenner gebracht – lauten könnte: „Der Mensch kann irren, der Computer nicht.“

Schwachstelle Mensch?

70 bis 80 Prozent der Flugunfälle, so besagen die Statistiken, gingen auf „menschliches Versagen“ zurück. Im Jahr 1996 seien „Fehler der Besatzung“ zumindest mit die Ursache für den Tod von 1052 Menschen gewesen.

Doch die Zahlen über die vermeintliche Schwachstelle Mensch sind nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Avionik-Experte Prof. Gerhard Faber, Hochschullehrer in Chemnitz und Darmstadt, wehrt sich dagegen, den Menschen als „Risikofaktor im Cockpit“ abzustempeln: „Bedauerlicherweise fehlt eine Statistik, wie oft hochqualifizierte Piloten beim Versagen technischer Systeme Unfälle vermieden haben.“

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